2. Fachtag Demenzberatung in Warendorf

Demenz-Servicezentrum Region Münsterland - am 12. Sep 2015

90 Fachleute aus ganz Nordrhein-Westfalen aus dem Aufgabenfeld „Beratung für Angehörige von Menschen mit Demenz“ kamen am 07. September zum „2. Fachtag Demenzberatung“ im Kreishaus Warendorf zusammen. Veranstalter waren das Demenz-Servicezentrum Münsterland, die Landesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros, der Landesverband der Alzheimer Gesellschaften NRW und der Kreis Warendorf.

Martin Kamps, Vorstandsmitglied der Alzheimer Gesellschaft im Kreis Warendorf, und Anne Middendorf, Leiterin des Sozialamtes des Kreises, betonten in ihrer Begrüßung die Bedeutung einer qualifizierten Demenzberatung, die nicht nur das Leistungsrecht der Kassen und die Pflege- und Betreuungsangebote, sondern auch den Umgang mit schwierigen Situationen umfasst und die Angehörigenperspektive sehr genau berücksichtigt.

Als erster Hauptredner stellte Prof. Dr. Elmar Gräßel (Universitätsklinik Erlangen) heraus, dass Pflege und Betreuung eines Angehörigen mit Demenz vor allem psychisch belastet. Er benannte als wichtige Gründe das oft unverständliche Verhalten des Erkrankten, die Sorge um Gefährdungen und den Verlust der Rolle als Ehepartner oder Elternteil. Diese Belastungen seien insbesondere zu Beginn der Pflege hoch. Jedoch werden aus der Übernahme der Pflege auch „Gewinne“ gezogen wie das Erleben gebraucht zu werden und die Freude mit der pflegebedürftigen Person zusammen sein zu können. Er empfahl als Maßnahmen gegen Belastung dringend eine stärkere Inanspruchnahme von Beratungs- und Entlastungsangeboten – bislang nehme nur jeder 7. Angehörige ein qualifiziertes Beratungsangebot wahr.

Prof. Dr. Katharina Gröning (Universität Bielefeld) beschrieb Normen und Werte, denen Angehörige in der Pflegesituation unterliegen. Verbreitet sei das Bestreben bei Angehörigen und auch Erkrankten, „Normalität“ aufrechtzuerhalten, die Demenz greife dieses Bestreben jedoch andauernd an: Angehörige versuchen z.B. eine gewohnte Ordnung zu bewahren, Erkrankte wollen ebenfalls ihre alte Normalität bewahren, die aber nicht mehr zu ihrer gegenwärtigen Situation passe. Hier ist es Aufgabe eines Beraters, Wissen über diese und andere Normen und Werte zu haben, um Angehörige in der Beratung „abholen“ zu können.

Diese und andere Aspekte wie Beratung von Menschen mit Migrationshintergrund wurden in 4 workshops vertieft. Eine 3. Fachtagung zum Thema ist für Mitte 2016 geplant.